Der Business Talk Black Sea Region beschäftigte sich im Rahmen der Belt and Road Initiative mit den Chancen und Risiken für europäische Unternehmen.

Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungsreihe „Business Talk Black Sea Region“ organisierte das Kompetenzzentrum Schwarzmeerregion kürzlich eine Podiumsdiskussion zur chinesischen Belt and Road Initiative mit dem Titel:“The Belt and Road Initiative. Will China take it all? What will remain for Europe along the Silk Road?“ Um Antworten auf diese Fragen zu finden, lud das Kompetenzzentrum David Morris, Vorsitzenden des Asia Pacific Business Forum 2019 der Vereinten Nationen und Vizepräsident des UN ESCAP ein. Er diskutierte mit Prof. (FH) Dr. Andreas Breinbauer (FH des BFI Wien), einem Experten für die Neue Seidenstraße und Dr. Hannes Meißner (FH des BFI Wien), einem Experten für Zentralasien und politisches Risikomanagement. Dr. Johannes Leitner, Leiter des Kompetenzzentrums Schwarzmeerregion, moderierte die Veranstaltung.

„Ein multidimensionales Projekt ohne thematische und geografische Grenzen und ist noch im Gange.“

Die chinesische Belt and Road Initiative und die damit verbundene Neue Seidenstraße sind enorme Investitions- und Infrastrukturstrategien von historischer Dimension. Seit Oktober 2013 hat China 421 Milliarden US-Dollar in die 75 halboffiziellen Länder der Seidenstraße investiert. Davon sind 112 Milliarden USD in den Logistik- und Transportsektor geflossen. Vor diesem Hintergrund betonte Andreas Breinbauer, dass die Belt and Road Initiative „zu einem Mythos geworden ist, der nicht nur die Aufmerksamkeit der Logistiker auf sich zieht“. Wie er auch betonte, ist der Begriff in der öffentlichen Wahrnehmung mit der Infrastrukturentwicklung zwischen China und Europa verbunden. „Tatsächlich ist es viel mehr: Ein multidimensionales Projekt ohne thematische und geografische Grenzen und ist noch im Gange.“

Die Seidenstraßenländer sind von politischen Risiken geprägt.

Johannes Leitner betonte den Umstand, dass die Seidenstraßeninitiative mit einem hohen Potenzial für europäische Unternehmen verbunden ist. Da noch unklar ist, inwieweit sie schlussendlich davon profitieren können, herrscht Skepsis bei vielen WirtschaftsvertreterInnen und auch bei der europäischen Politik. Ihrer Meinung nach wird China der große und einzige Gewinner sein. Andreas Breinbauer betonte in diesem Zusammenhang, dass es noch zu früh sei, um zu beurteilen, ob das Projekt zu einer Win-Win-Situation führen wird. „Europa ist jedoch noch nicht bereit und handelt immer noch eher passiv.“ David Morris kam zu einem ähnlichen Schluss: „China als aufstrebende Macht versucht, der Welt zu versichern, dass es neue Handelsrouten bauen und die globale Entwicklung unterstützen will, aber die Belt and Road Initiative hat geopolitische Ängste vor strategischen Ambitionen, Schuldenfallen und schlechten Geschäftspraktiken ausgelöst. Der Versuch, die Initiative in den ersten Jahren zu bewerten, ist aufgrund der Vielfalt der nationalen Erfahrungen schwierig.“ Er wies jedoch auch darauf hin, dass „es sicherlich eine Reihe von politischen Risiken gibt, die es zu bewältigen gilt, sowohl für China und seine Unternehmen, die in einem komplexen neuen Umfeld tätig sind, als auch für die betroffenen Länder und ihre Unternehmen“. Ähnlich argumentierte auch Hannes Meißner. Die Länder der Seidenstraße sind von politischen Risiken wie Rechtsunsicherheit, geringen Eigentumsrechten und Klientelwirtschaft der herrschenden Eliten geprägt. „Tatsächlich sind die chinesischen Investitionen mit neuen Möglichkeiten für europäische Unternehmen verbunden, da die Länder die grundlegende Infrastruktur erhalten, die sie dringend benötigen. Was für europäische Unternehmen entlang der Seidenstraße bleibt, hängt jedoch nicht nur von China ab. Sie hängt vielmehr in hohem Maße von der Frage ab, ob die europäischen Unternehmen bereit sind, diese politischen Risiken einzugehen und geeignete Instrumente des politischen Risikomanagements anzuwenden“.

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